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Sozialpartnerschaft

Funktionierende Zusammenarbeit

Der Schweizer Arbeitsmarkt zeichnet sich im internationalen Vergleich durch eine hohe Flexibilität und eine geringere Regelungsdichte aus. Dies ist Ausdruck einer liberalen Grundhaltung und unserer konsensbasierten Politik, die sich auch in einer funktionierenden Sozialpartnerschaft niederschlägt. Dies zeigt sich auch im Bankensektor, der mit der „Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten“ einen der ältesten Gesamtarbeitsverträge hat.

In der Bankbranche wird die Sozialpartnerschaft seit 1920 gepflegt. Sozialpartner sind der Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz, der Schweizerische Bankpersonalverband und der Kaufmännische Verband Schweiz. Gemeinsam tragen sie den Gesamtarbeitsvertrag „Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten“ (VAB). Rund 50 Banken sind den VAB unterstellt sind, die gemeinsam rund 80‘000 Mitarbeitende beschäftigen.

Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten

Die Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten (VAB) regelt neben verschiedenen arbeitsvertraglichen Bestimmungen (z.B. Treuepflicht, Ferien, Arbeitszeit, Lohnfortzahlung, Weiterbildung, Gesundheitsschutz) auch die Mitwirkung von Angestelltenvertretungen und Sozialpartnern sowie die Massnahmen bei Restrukturierungen. Arbeitgeber Banken schliesst als Sozialpartner die VAB für die Banken in der Schweiz ab.

Vereinbarung zur Arbeitszeiterfassung

Basierend auf dem Verordnungsentwurf des Bundesrats zur Arbeitszeiterfassung haben die Sozialpartner der Bankbranche eine Vereinbarung getroffen . Diese legt die Bedingungen eines Verzichts auf die Arbeitszeiterfassung für gewisse Mitarbeitende fest und beinhaltet verschiedene Massnahmen des Gesundheitsschutzes. Die Vereinbarung tritt per 1. Januar 2016 in Kraft.

Vereinbarung über den Schutz der Mitarbeitenden bei Datenlieferungen an US-Behörden

Eine Lösung für den Steuerkonflikt mit den USA wurde 2013 vordringlich, um Rechtssicherheit und Stabilität für die Schweizer Banken zu schaffen. Um allfällige Nachteile für Mitarbeitende im Zusammenhang mit der Lieferung von Unterlagen an US-Behörden zu vermeiden, haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen der Bankbranche auf verschiedene Schutzmassnahmen und einen Härtefallfonds geeinigt.

Zur Entwicklung der VAB

Als erstes schweizerisches kollektives Arbeitsrecht für Banken gilt die 1920 vom Verband Zürcherischer Kreditinstitute (VZK) zusammen mit andern Platzverbänden und dem Schweizerischen Bankpersonalverband vereinbarte "Einheitliche Dienst- und Besoldungsordnung für das Bankpersonal" (ED+BO). Die Vertreter der Banken verpflichteten sich, dass sie „je in ihrem Kreise für die Annahme dieser Beschlüsse (...) einstehen werden“. Im Laufe der Zeit wurden die Formulierungen dann verbindlicher. Es blieb jedoch dabei, dass nur die Mitgliedbanken des VZK und der übrigen Platzverbände verpflichtet waren, die ED+BO umzusetzen.

1984 wurden in einer formellen Revision viele der recht patronal anmutenden Wendungen durch zeitgemässere ersetzt. 1990 wurde die ED+BO, die lange Zeit von beiden vertragsschliessenden Seiten gar nicht als Gesamtarbeitsvertrag bezeichnet war, in „Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen für die Bankangestellten“ (VAB) umbenannt.

Von Anfang an gehörte ein Lohnsystem mit 10 Gehaltsklassen zu je 10 Dienstalterserhöhungsschritten zu den Hauptpunkten des Vertragswerks. Ab den achtziger Jahren entsprach das starre Salärklassensystem nicht mehr der Realität. 1993 wurden auf Anstoss der Banken die Salärbestimmungen der VAB total revidiert. An die Stelle der Gehaltsklassen traten vier Funktionsgruppen mit Salärbändern, innerhalb derer sich die Löhne der einzelnen Bankangestellten entwickelten.

1996 einigten sich die Sozialpartner ähnlich der Maschinenindustrie darauf, die Salärverhandlungen auf die Betriebsebene zu verlegen. Die Salärbänder wurden vorerst in der VAB belassen. Die Lohnsysteme, insbesondere grosser Banken, entwickelten sich unterschiedlich und die Funktionsbänder der VAB erwiesen sich als immer weniger sinnvoll. 2006 wurden die Funktionsgruppen auf drei reduziert, und anstelle von Bandbreiten trat für jede ein blosses Minimalsalär. 2007 wurden diese drei Minima abgeschafft und ein einziger Minimallohn eingeführt.

1998 wurde die Wochenarbeitszeit durch die Jahresarbeitszeit ersetzt. Diese beruhte weiterhin auf 42 Arbeitsstunden pro Woche, die jedoch nun im Jahresdurchschnitt einzuhalten waren. Gleichzeitig wurde es den Banken überlassen, unter Beibehaltung der 5-Tage-Woche die Aufteilung der Arbeitszeit auf Montag bis Samstag vorzunehmen.

Die Erfahrungen bei Umstrukturierungen und Entlassungen führten dazu, dass 2003 die VAB mit einem Abschnitt mit Bestimmungen über "Massnahmen bei Bankschliessungen und Entlassungen von Angestellten" ergänzt wurde. Über die Jahrzehnte blieb die VAB als flexibler Gesamtarbeitsvertrag ausgestaltet, der den Banken die unternehmerische Freiheit beliess und gleichzeitig zur sozialen Sicherheit der Angestellten beitrug.