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Lohnrunde 2017: Spielraum für Lohnerhöhungen bei vielen Banken gering

LOHNFRAGEN - 5.10.2016 - IM FOKUS

Vor dem Hintergrund anhaltender Herausforderungen für die Banken dürfte der Handlungsspielraum für die Lohnrunde 2017 bei vielen Instituten beschränkt sein. Stattdessen wird der Erhalt von Arbeitsplätzen im Vordergrund stehen.

Während sich bei der globalen Wirtschaftsentwicklung für 2017 ein uneinheitliches Bild mit einem insgesamt moderatem Wachstum abzeichnet, wird für die Schweiz nach einem deutlichen Konjunkturanstieg im zweiten Quartal 2016 eine vorsichtig positive Prognose für 2017 gestellt. Verschiedene Stimmungsindikatoren deuten auf eine langsame Verdauung der Frankenstärke hin, auch wenn diese nach wie vor die zentrale Herausforderung für viele Unternehmen darstellt. Der aufgrund der Währungssituation verschärfte Margendruck und die daraus resultierenden Kostensenkungen schränken den Handlungsspielraum der Unternehmen ein.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO geht für 2017 von einem Wirtschaftswachstum von 1.8% aus, wobei diese Prognose mit Risiken und Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung im Ausland, namentlich auf die noch unklaren Folgen des Brexit-Entscheids, belastet sind. Die Banken in der Schweiz sehen sich auch 2017 mit grossen Herausforderungen konfrontiert: Frankenstärke, anhaltender Margendruck, hohe Regulierungskosten, steigenden Kosten für Investitionen in neue Technologien, Druck auf Rahmenbedingungen aufgrund internationaler Entwicklungen sowie anhaltender Strukturwandel.

Der Handlungsspielraum für die Lohnrunde dürfte angesichts dieser schwierigen Ausgangslage bei vielen Instituten beschränkt sein. Stattdessen wird der Erhalt von Arbeitsplätzen im Vordergrund stehen. Eine Umfrage bei den im Vorstand von Arbeitgeber Banken vertretenen Instituten im September 2016 hat gezeigt, dass die Banken generelle Lohnerhöhungen wie in der Vergangenheit ablehnen, sondern individuelle Erhöhungen im Gesamtumfang von zwischen 0.25% und 0.5% erwarten.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Empfehlung von Arbeitgeber Banken, sondern lediglich um das Ergebnis einer Befragung. In der Bankbranche finden keine Lohnverhandlungen zwischen den Sozialpartnern statt, mit Ausnahme der Verhandlungen über den Mindestlohn. Die Lohnrunden finden innerhalb der Banken statt, ggf. unter Einbezug der internen Angestelltenvertretungen.

Neue Arbeitszeiterfassung zeigt Wirkung

ARBEITSZEITERFASSUNG - 23.4.2016 - IM FOKUS

Die seit Anfang 2016 geltenden Erleichterungen bei der Arbeitszeiterfassung bringen einen ersten Entbürokratisierungsschub. Die Bankbranche zeigt, wie die neuen Vorschriften einfach und pragmatisch umgesetzt werden können.

Eine repräsentative Umfrage der Personalverantwortlichen der Banken in der Schweiz im Rahmen des Arbeitgeber Banken Monitor 2015 hat gezeigt: Neben Fachkräftemangel, Kostendruck und wachsender Spezialisierung nennen die Banken als grösste Herausforderung in ihrer Rolle als Arbeitgeber die zunehmende Regulierungsdichte. Die laufend steigende Zahl von Vorschriften und die damit einhergehende Planungsunsicherheit belasten den Schweizer Banken- und Finanzplatz, wobei insbesondere die Angst vor Verschärfungen bei der Arbeitszeiterfassung genannt wurden (S. 43).

Im Januar 2016 veröffentlichte Professor Michael Beckmann von der Universität Basel wissenschaftliche Studien zur Vertrauensarbeitszeit auf dem renommierten „IZA World of Labor“-Netzwerk, einer weltweiten Wissenschaftsplattform für Arbeitsökonomie. Er und sein Team wiesen erstmals nach: Eine hohe Arbeitszeitautonomie verbessert sowohl die persönliche Leistung von Angestellten wie auch die unternehmerische Performance – gleichzeitig lassen sich grundsätzlich keine negativen Auswirkungen hinsichtlich Überlastung und Erschöpfung feststellen. Damit wird die zentrale These für die Notwendigkeit der Zeiterfassung in Frage gestellt: Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Verzicht auf die Arbeitszeiterfassung und gesundheitlichen Belastungen lässt sich nicht herstellen.

Vertrauen löst die Stechuhr ab

Diese Erkenntnisse decken sich auch mit den Erfahrungen der Mitgliedfirmen von Arbeitgeber Banken: Die Stechuhr passt nicht in die moderne Arbeitswelt und fördert weder Motivation noch Eigeninitiative. Längst hat in weiten Teilen der Wirtschaft deshalb eine vom Vertrauen geprägte Arbeitskultur das „Stempeln“ abgelöst und das unternehmerische Denken und eigenverantwortliche Handeln der Mitarbeitenden gestärkt. Ungeachtet dessen sieht das schweizerische Arbeitsrecht nach wie vor eine sehr strenge Pflicht zur minutengenauen Erfassung der Arbeitszeit vor – und dies nicht erst seit Beginn dieses Jahres, wie mancherorts fälschlicherweise zu lesen war.

Neu ist, dass der Bundesrat per 1. Januar 2016 eine Verordnung zur Arbeitszeiterfassung in Kraft gesetzt, welche verschiedene Erleichterungen für Unternehmen vorsieht. Konkret besteht für die einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellten Betrieben die Möglichkeit des Verzichts auf die Zeiterfassung für Angestellte mit hoher Zeitautonomie (min. 50%) und einem Jahreseinkommen von mehr als 120‘000 Franken pro Jahr. Zugleich können Mitarbeitende, die ihre Arbeitszeiten zu einem namhaften Teil selber festsetzen (mind. 25% frei bestimmbar), diese neu vereinfacht erfassen, z.B. also das Tagestotal. Hierfür ist kein GAV erforderlich, jedoch eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung (bei weniger als 50 Mitarbeitenden reichen auch individuelle Vereinbarungen).

Lösung für Bank- und Finanzunternehmen

Die Sozialpartner der Bankbranche haben die bundesrätliche Lösung grundsätzlich begrüsst und bereits im vergangenen Juni darauf basierend eine eigene Vereinbarung über die Arbeitszeiterfassung (VAZ) geschlossen. Die VAZ ist – als Anhang des Gesamtarbeitsvertrags der Bank- und Finanzbrache, der VAB (Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen der Bankangestellten) – ebenfalls Anfang 2016 in Kraft getreten. Neben der Verzichtsmöglichkeit auf die Arbeitszeiterfassung für Angestellte mit einem Jahreseinkommen ab 120'000 Franken (exkl. variable Lohnbestandteile) und mit grosser Zeitautonomie regelt die Vereinbarung auch die erleichterte Arbeitszeiterfassung für weitere Angestellte, die ihre Arbeitszeiten in einem beschränkten Umfang ebenfalls selber festsetzen können.

Die VAZ enthält zudem verschiedene – von den neuen Verordnungsbestimmungen vorgeschriebene – Informations- und Präventionsmassnahmen zum Gesundheitsschutz, die sowohl Angestellte wie auch Vorgesetzte betreffen. Dazu gehören ein Faktenblatt, das an die Mitarbeitenden abgegeben wird sowie eine Website mit Informationen zum Gesundheitsschutz (ab Frühling 2016) sowie ein anonymisierter Fragebogen zu psychosozialen Stressfaktoren. Die Arbeiten dazu laufen unter Einbezug eines unabhängigen Gesundheitsexperten sowie der verschiedenen Banken. Eine paritätische Kommission, welche sich bereits konstituiert hat, überwacht die Massnahmen zum Gesundheitsschutz sowie die weitere Umsetzung der Vereinbarung.

Vereinbarung auch ohne „kompletten“ GAV

Mit der VAZ zeigen die Sozialpartner der Bankbranche: Eine von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite getragene, pragmatische und den Eigenheiten der Branche entsprechende Lösung zur zeitgemässen Arbeitszeiterfassung ist möglich. Die VAZ gilt für VAB-unterstellte Bank- und Finanzdienstleistungsunternehmen automatisch. Firmen können die VAZ aber auch ohne eine Unterstellung unter die VAB für sich geltend machen, wobei eine Mitgliedschaft bei Arbeitgeber Banken erforderlich bleibt.

Die vom Bundesrat per 2016 erlassenen Massnahmen zur Arbeitszeiterfassung sind weit davon entfernt, den entscheidenden Schub zur Entbürokratisierung im Arbeitsrecht zu leisten, den die Wirtschaft erwartet. Arbeitgeber Banken sieht die Verordnungsrevision denn auch als ersten Schritt, der für viele Branchen und Betriebe eine pragmatische und rasch umsetzbare Zwischenlösung bringt. In einem zweiten Schritt begrüsst Arbeitgeber Banken Vorstösse auf Gesetzesebene, die auf eine Modernisierung und Vereinfachung des Arbeitsgesetzes abzielen.

Ältere Mitarbeitende sind für die Banken unverzichtbar

ARBEITSKRÄFTE - 20.3.2016 - IM FOKUS

Zur besseren Nutzung des Inländerpotentials gehören auch Bemühungen zum längeren Verbleib von qualifizierten Mitarbeitenden im Erwerbsleben. Die Banken in der Schweiz leisten hierzu heute bereits einen wichtigen Beitrag.

Gemäss der Seco-Studie „Fachkräftemangel in der Schweiz“ (2014) sind die Bankberufe genau so vom Fachkräftemangel betroffen wie andere Berufe, teilweise sogar noch mehr. Über drei Viertel der Banken in der Schweiz sind gemäss dem Arbeitgeber Banken Monitor 2015 vom Fachkräftemangel betroffen. Rund 65 Prozent der Unternehmen der Banken- und Versicherungsbranche haben substanzielle Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften und müssen deshalb auch auf den ausländischen Arbeitsmarkt ausweichen.

Bankberufe immer spezialisierter

Als wichtigste Gründe für die Rekrutierung von Ausländerinnen und Ausländern resultieren in der Befragung von Arbeitgeber Banken die mangelnde Verfügbarkeit von qualifizierten Schweizer Mitarbeitenden sowie das Bedürfnis nach international zusammengesetzten Teams. Der Lohn spielt kaum eine Rolle. Der Bedarf an ausländischen Arbeitskräften bleibt auch in der nahen Zukunft gross, und dürfte mittel- und langfristig weiter zunehmen, weil das Berufsbild des Bankers immer spezialisierter wird.

Trotz dieser grossen Bedeutung der ausländischen Fachkräfte sind die Banken bestrebt, diese nicht zulasten des einheimischen Arbeitskräftepotenzials zu rekrutieren. Dies zeigt sich einerseits an der konstant tiefen Arbeitslosigkeit und der grossen Zahl offener Stellen. Zudem ging der Ausländeranteil bei den Banken im Gegensatz zur Entwicklung in der gesamten Schweiz seit 2011 insgesamt um 3 Prozentpunkte zurück.

Stärkung des Inländerpotentials

Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative hat die bessere Nutzung des inländischen Fachkräftepotentials indes zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Die Banken setzen nicht nur auf die Nachwuchsförderung und die Erhöhung des Frauenanteils, sondern auch auf den längeren Verbleib qualifizierter älterer Arbeitnehmenden im Erwerbsleben. Deren Kompetenz und Know-How sind für die Unternehmen unverzichtbar.

In einzelnen Banken hat sich der Bestand der älteren Mitarbeitenden (50+) in den letzten Jahren sogar erhöht – nicht zuletzt dank der kontinuierlichen Investition in diese Generation mit Training und Entwicklung. Die Vielfalt der Mitarbeitenden mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten, Perspektiven, Kenntnissen und Erfahrungen ermöglichen den Banken erst, Kundenbedürfnisse, kulturelle Gegebenheiten und regionale Märkte besser zu verstehen und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten zu erschliessen.

Führungskräfte speziell geschult

Die strategische Personalplanung ist für die meisten Banken ein zentrales Instrument, um den zukünftigen Personalbedarf zu erkennen und frühzeitig Massnahmen einzuleiten. Der Grossteil der Banken schult seine Führungskräfte im Hinblick auf die jährlichen Mitarbeitergespräche zur Entwicklungsplanung, wozu auch Themen wie Pensionierungsmöglichkeiten und lebenslanges Lernen gehören. Gewisse Banken bieten ihren Mitarbeitenden zudem Seminare ab einer bestimmten Altersgrenze an.

Ein Grossteil der Mitarbeitenden in den Banken hat die Möglichkeit, ihren Beschäftigungsgrad ab Alter 58 oder später zu reduzieren. Dies ermöglicht dem oder der Mitarbeitenden, sich auf die Pensionierung vorzubereiten. Gleichzeitig ist es für die Nachfolge oder das Team möglich,  das Know-how des Mitarbeiters frühzeitig zu adaptieren. Ein kleiner Teil der älteren Mitarbeitenden nutzt das Modell einer Teilpensionierung oder eine Beschäftigungsreduktion mit beispielsweise 100-prozentiger Versicherung in der Pensionskasse.

Gegenseitiges Coaching über Generationen

Fast ein Drittel der Banken fördert überdies bereits die Weiterbeschäftigung ihrer Mitarbeitenden nach Erreichen des Pensionsalters. Dank neuen Arbeitsmodellen sowie dem Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten können gute Mitarbeitende gehalten werden. Die Initiativen der Banken umfassen unter anderem Module zu Standortbestimmung, Eigenmarketing, (sozialen) Netzwerken, Sprachkurse sowie die Stärkung von Technologiekompetenzen.

Dies kann beispielsweise im generationenübergreifenden, gegenseitigem Mentoring geschehen: So coacht ein Vertreter der Babyboom-Generation einen Vertreter der Generation Y – und umgekehrt, zum Beispiel hinsichtlich neuer Technologien. Einige Institute haben auch Programme lanciert, welche zum Ziel haben, talentierte Fachkräfte zurückzugewinnen und ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.

Richtigweisende Reform der Altersvorsorge

Die demographische Veränderung stellt für alle Banken eine grosse Herausforderung dar: Sie können es sich nicht leisten, künftig auf qualifizierte ältere Mitarbeitende und deren Know-how zu verzichten. Wie der Arbeitgeber Banken Monitor 2015 zudem gezeigt hat, besteht für die Banken in der Schweiz ein zentrales innenpolitisches Anliegen mit der Reform der Altersvorsorge. Die höchste Priorität messen die befragten Personalverantwortlichen dabei der Flexibilisierung des Übergangs ins Rentensystem bei – rund die Hälfte kann sich vorstellen, in der Folge mehr ältere Mitarbeitende zu beschäftigen.

Vereinbarung über die Arbeitszeiterfassung tritt per 1. Januar 2016 in Kraft

ARBEITSZEITERFASSUNG - 31.12.2015 - IM FOKUS

Mit der Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz werden Erleichterungen bei der Arbeitszeiterfassung per 1. Januar 2016 eingeführt. Arbeitgeber Banken hat vor diesem Hintergrund die Vereinbarung über die Arbeitszeiterfassung (VAZ) verhandelt, welche ebenfalls am 1.1.2016 in Kraft tritt.

Neu können Mitarbeitende mit einem Jahreseinkommen von mehr als 120‘000 Franken auf die Arbeitszeiterfassung verzichten, sofern sie über eine grosse Autonomie bei ihrer Arbeit verfügen. Der Verzicht auf die Zeiterfassung ist aber nur in Unternehmen zulässig, die einem Gesamtarbeitsvertrag unterstehen. Arbeitgeber Banken hat deshalb die Vereinbarung über die Arbeitszeiterfassung (VAZ) verhandelt, die am 1.1.2016 in Kraft treten wird.

Die neuen Verordnungsbestimmungen sehen auch Erleichterungen für Mitarbeitende vor, die weniger als 120‘000 Franken verdienen, aber dennoch über eine gewisse Autonomie verfügen. Sie können sich auf eine vereinfachte Zeiterfassung beschränken, die nur das Tagestotal der Arbeitszeit umfasst. Die Umsetzung dieser Erleichterung kann in einer Vereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung vereinbart werden. Arbeitgeber Banken hat sie aber ebenfalls im Rahmen der VAZ verhandelt. Banken, die der VAZ unterstehen, können die vereinfachte Erfassung also ohne weitere Vereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung umsetzen.